"Sind besser als die Beatles"

Mando Diao im Antenne Düsseldorf Interview

Elton John

Universal Music

Mando Diao spielten in dieser Woche in der Düsseldorfer Philipshalle. Antenne Düsseldorf Reporter Christian Schwarz hat die Band aus Schweden getroffen und sprach mit Gustaf Norén über deren Erfolg, Neider und Pläne.

Wer Erfolg hat, hat auch viele Neider. Und die streuen ganz gerne Gerüchte. So auch bei Mandio Diao. Die Schweden werden nicht selten als arrogant und abgehoben bezeichnet. Aber manchmal stimmen Gerüchte eben doch. Auf Gustaf Norén trifft das in jedem Fall zu. Beim Interview lässt der Sänger von Mando Diao seine Leute für Kaffee springen und Zigaretten holen. Wenn er spricht, macht er lange Pausen, guckt seinem Gesprächspartner selten in die Augen. Zwischendurch führt er ein Telefonat auf Schwedisch. Seine Antworten sind alles andere als bescheiden: Der Aufstieg seiner Band hat ihn stark geprägt. Fünf erfolgreiche Alben haben die Schweden bereits veröffentlicht. Ihr letztes ("Give Me Fire"), schaffte es in Deutschland an die Spitze der Charts.

Herr Norén, als Sie die Band vor 13 Jahren gegründet haben, hätten Sie jemals zu träumen gewagt, so einen Erfolg zu haben?

Gustaf Norén: Oh ja definitiv, das war der Plan von Anfang an! Wenn wir nicht so groß geworden wären, gäbe es für uns auch keinen Grund weiterzumachen. Und als wir Mando Diao gegründet haben, war das genau das Ziel: Wir wollten uns aus unserem alten Leben verabschieden und ein ganz neues beginnen. Wir sind in den letzten Jahren auch etwas vom Erfolg verwähnt worden und sehen ihn manchmal schon als selbstverständlich an. Aber wir versuchen uns nicht darauf zu konzentrieren. Es war einfach ein Prozess - so wie vieles im Leben.

Mando Diao
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Hatten Sie denn niemals einen Plan B?

Norén: Nein. Ich wüsste auch gar nicht, was ich sonst heute machen würde. Hoffentlich trotzdem viel Geld verdienen. Aber es wäre wahrscheinlich nichts, wo ich gut drin wäre - so wie im Schreiben von Liedern. Das ist eine Sache, die ich sehr gut kann. Es war einfach ganz logisch, dass das irgendwann mein Beruf werden würde.

Sie haben einmal behauptet, Sie seien besser als die Beatles und die Rolling Stones. Wie kommen Sie dazu?

Norén: Naja, so habe ich das nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass unser erstes Album "Bring'em in" viel besser ist als die Debüts von den Beatles und den Stones. Und ich glaube immer noch, dass unser Album besser ist als "Please Please Me" und wie auch immer die erste Platte der Stones hieß.

Die erfolgreichen Rockbands der 60er und 70er kamen aus England. Mittlerweile stürmen vor allem schwedische Bands die Charts. Ist Schweden das neue England?

Norén: Ich denke schon. Wir machen das, was englische Bands früher gemacht haben: Wir lassen uns von anderer Musik beeinflussen und sorgen dafür, dass es europäisch klingt. Die Engländer haben sich von den Amerikanern beeinflussen lassen. Aber irgendwann kam der Zeitpunkt in England, wo sich die Bands keine Eindrücke mehr geholt haben. Und das machen wir in Schweden gerade anders: Wir fixieren uns nicht auf ein bestimmtes Land, wir sind offen für Musik aus der ganzen Welt.

Die Idee ist ja eigentlich nicht neu: Es scheint nur so, dass gerade schwedische Bands weltweit größere Erfolge feiern, als andere europäische Bands.

Norén: Das liegt wahrscheinlich an unserer Einstellung: Wir sind ein sehr international orientiertes Volk. Alle sprechen gut Englisch und schauen auf unsere Nachbarländer. Wir haben ja selbst auch keine eigene Kultur! Deutschland zum Beispiel ist eine kleine eigene Welt: Es ist so groß, dass man hier nicht von anderen Ländern abhängig ist. Schweden hingegen ist ein kleines Land - genau wie zum Beispiel Belgien, Holland oder Österreich. Die können es auch schaffen, aber das dauert wahrscheinlich noch weitere 50 Jahre.

Sie wollten also schon immer mit Ihrer Musik über die schwedische Grenze?

Norén: Natürlich, alles andere wäre auch völlig albern gewesen. Schweden allein war nie eine Option für uns. Wir wollten in jedem Land erfolgreich sein, egal ob Frankreich, Kenia oder Malaysia. Ich will meine Fans einfach überall haben, in jeder Stadt auf der Welt.

Gibt es da nicht auch einen Konkurrenzkampf unter den vielen international erfolgreichen Bands aus Schweden?

Norén: Es gibt ja jetzt nicht so viele Bands die außerhalb des Landes so erfolgreich sind wie Mando Diao. Aber es gibt tausende Bands in Schweden und ich verstehe einfach nicht, warum die nicht mal das Land verlassen. Ich freue mich über jede Band die es über die Grenze schafft! Aber das haben nicht mehr viele nach uns geschafft - es gibt noch keinen wirklichen Nachfolger. Vielleicht in ein paar Jahren.

Glauben Sie, viele Bands in Schweden versuchen so zu sein wie Sie?

Norén: Nein, ich glaube so blöd kann keiner sein. Und wenn sie es sind, kommen sie damit nicht durch.

Aber es wird viele geben, die versuchen werden Sie nachzuahmen...

Norén: Natürlich kopieren viele von uns. Das macht jede Band auf der Welt. Selbst wenn sie sagen, sie machen es nicht: Das stimmt nicht! Jeder kopiert seine Helden, seine musikalischen Vorbilder. So ist das Musikgeschäft: Copy and paste! Und ich hoffe, dass auch viele von uns kopieren.

Liegt ihr Erfolg vielleicht auch an den hübschen Frauen in Schweden?

Norén: Man merkt natürlich erst wie hübsch die Frauen bei uns sind, wenn man wirklich viel durch die Welt reist. Aber ich glaube nicht, dass uns die schönen Frauen beeinflusst haben. Man kann auch gute Musik machen, wenn man hässliche Frauen in seinem Land hat. Schauen Sie sich England an.