Fragen zur Finanzkrise
Antenne Düsseldorf gibt Antworten
Die EU und die Weltfinanzmärkte sind in der Krise
Die aktuelle Situation an den internationalen Finanzmärkten beunruhigt – die USA wurden in ihrer Bonität heruntergestuft, der DAX stürzt ab, und der Goldpreis steigt. Doch wie betrifft uns das alles ganz direkt? Und was bedeuten Begriffe wie Eurobonds und Leerverkäufe? Wir versuchen, einige Fragen auf dieser Übersichtsseite zu klären.
Schlagwörter erklärt: Was sind Eurobonds?
Derzeit wird aufgrund der Finanz- und Eurokrise in der Europäischen Union vermehrt über eine Äderung der Schuldenpolitik diskutiert. Ein möglicher Ausweg scheint das Umstellen auf sogenannte "Eurobonds" zu sein. Das sind Kredite, die kein Staat für sich allein aufnimmt, sondern die entweder die gesamte Europäische Union oder nur die Staaten der Eurozone gemeinsam aufnehmen. Damit würde für die geliehene Summe nicht mehr ein einzelner Staat – wie zum Beispiel Griechenland – sondern die gesamte europäische Staatengemeinschaft haften. Der Vorteil: Gemeinsam sind die europäischen Staaten wesentlich finanzstärker als ein einzelnes Land, und die Zinssätze für die ausgegebenen Kredite lägen somit niedriger. Finanz- und wirtschaftsschwächere Staaten könnten hieraus einen Vorteil ziehen. Zum Beispiel verlangen Kreditgeber für eine Staatsanleihe für Griechenland mit einer Laufzeit von 10 Jahren Zinsen in Höhe von momentan 16,98 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland zahlt für dieselbe Anleihe nur 2,73 Prozent Zinsen.
Allerdings gibt es auch Kritik an dem Vorschlag der Eurobonds: Mit der Einführung dieser gemeinsamen europäischen Anleihen würde der Grundsatz der nationalen Selbstverantwortung der einzelnen Mitgliedsstaaten aufgehoben, die unter anderem im Vertrag von Maastricht festgeschrieben wurde. Der besagt zum Beispiel, dass Anwärter auf die Mitgliedschaft in der Eurozone bestimmte wirtschaftliche Mindeststandards erfüllen müssen. Die deutsche Regierung befürchtet diesbezüglich, dass mit solchen vergemeinschafteten Schulden die Motivation von ins Strudeln geratene Staaten sinken könnte, sich aus der selbst geschaffenen Misere auch selbst wieder zu befreien.
- RP Online: Bundesregierung schließt Eurobonds nicht mehr aus
- Handelsblatt.com: Keine Alternative zu Eurobonds
- tagesschau.de über das Für und Wider von Eurobonds
Schlagwörter erklärt: Was sind Leerverkäufe?
Das Verbot von Leerverkäfen soll Spekulation stoppen
Ein aktuelles Mittel zum Verhindern der Spekulation an den Finanzmärkten ist das Verbot so genannter ungedeckter Leerverkäufe. So ein Verbot besteht in Deutschland schon seit 2010, kürzlich haben aber auch Italien, Frankreich, Spanien und Belgien ein solches Verbot für zumindest zwei Wochen ausgesprochen. Bei Leerverkäufen handelt es sich um eine hoch spekulative Finanztaktik, bei der Aktienhändler auf das Sinken von Kursen wetten. Sie leihen sich dazu Aktien – zum Beispiel eines Staates – von einer Bank, und verkaufen diese dann auf dem Börsenmarkt an. Damit wetten sie darauf, das der Kurse dieser Aktie – in diesem Falle eines Staates – sinken wird. Ist der Kurs dann gefallen, kaufen Sie die Aktie zu einem niedrigeren Preis wieder zurück und geben sie der Bank wieder. Der Gewinn ist die Differenz zwischen der verkauften Aktie zu einem hohen Preis und der wiedergekauften Aktie zum niedrigen Preis. Noch spekulativer sind dabei die so genannten ungedeckten Leerverkäufe, die jetzt auch verboten wurden. Dabei leihen sich die Spekulanten die entsprechenden Aktien nicht einmal, sondern tun dies erst im Nachhinein.
Die Praxis der Leerverkäufe wird insbesondere für das Fallen der Kurse von Staaten der Eurozone in der Vergangenheit verantwortlich gemacht. Bundeswirtschaftsminister Rösler fordert deshalb nun auch ein internationales Verbot ungedeckter Leerverkäufe. Kritiker hingegen sehen in dem Verbot nur eine Bekämpfung der Symptome, und fordern viel mehr eine Arbeit an der Ursache des Problems, zum Beispiel an der schwachen Wirtschaft der Staaten, auf deren finanziellen Absturz an der Börse spekuliert wird.
- Focus.de: Was sind eigentlich Leerverkäufe?
- Reuters: Minister Rösler will Leerverkäufe international verbieten
Die Abwertung der Bonität der USA
Die Wall Street in New York
Am 5. August hat eine der drei weltweit größten Ratingagenturen, Standard & Poors, die Bonität der USA von AAA (Bestnote) auf AA+ (zweitbeste Note) herabgestuft. Das bedeutet zwar, dass die USA nicht mehr das Top-Rating in der Finanzwelt besitzen, doch AA+ steht trotzdem immer noch dafür, dass die Vereinigten Staaten eine starke Fähigkeit haben, ihren Zahlungspflichten nachzukommen. Ratingagenturen haben grundsätzlich die Funktion, Anlageoptionen auf ihre Sicherheit zu überprüfen, um Investoren einen Überblick über mögliche Risiken zu bieten.
Mittelfristig zumindest bedeutet die Herabstufung für die USA, dass das Aufnehmen neuer Schulden für das Land teurer wird, und somit an anderer Stelle Kosten eingespart werden müssen (z.B. bei den Sozialabgaben) bzw. Steuern für Unternehmen und Bürger erhöht werden müssen. Angesichts des politischen Streits zwischen den beiden großen politischen Parteien, den Demokraten und den Republikanern, ist jedoch nicht klar, wie dieses Finanzproblem gelöst werden kann. Zudem sieht zumindest Standard & Poors den Trend der finanziellen Situation der USA weiterhin negativ, sodass eine erneute Herabstufung der Bonität nicht unwahrscheinlich ist.
Die Folgen: Der DAX stürzt ab, der Goldpreis steigt
Gold ist so teuer wie nie
In Folge der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA sind die Kurse an den internationalen Finanzmärkten eingebrochen, so auch der Deutsche Aktienindex (DAX). Dieser Trend setzt sich auch in der Woche nach dem Abwerten der Vereinigten Staaten fort.
Die Unsicherheit an den Märkten spiegelt sich insbesondere auch am Goldpreis wieder, der beinahe stündlich ein neues Rekordhoch erreicht. Die Investition in Gold gilt als eine der stabilsten Wertanlagen gilt. Der Anstieg des Goldpreises bedeutet, dass momentan besonders viele Anleger Gold kaufen. Das heißt im Umkehrschluss, dass besonders sichere Geldanlagen derzeit sehr gefragt sind. Im Gegenteil dazu wird das Aufkaufen von Staatsanleihen der USA oder verschiedener Euro-Länder wie zum Beispiel Griechenland, Irland oder Spanien als unsicher bewertet.
- RP Online Live-Ticker zum DAX und dem Goldpreis
- Handelsblatt.com über den Anstieg des Goldpreises
- tagesschau.de über den Crash der Finanzmärkte
- Aktuelle Börseninfos auf RP Online
Was sind Ratingagenturen und wie gefährlich sind sie?
Spielen Ratingagenturen mit unserem Geld?
Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen oder Staaten. Diese Bewertung bestimmt anschließend, wie hoch die Zinsen sind, die ein Kreditnehmer, wie zum Beispiel Deutschland oder die USA, an die Bank zahlen muss, von der er sich Geld leiht.
Im Zuge der Euro-Schulden- und der Weltfinanzmarktkrise sind Ratingagenturen mehr und mehr in die Kritik geraten, nachdem die Herabstufung der Bonität zum Beispiel von Griechenland oder aber auch den USA zu großer Unsicherheit in der Politik und den Finanzmärkten führte. Der Vorwurf: Ratingagenturen spielten mit dem Schicksal von Millionen Menschen in den betroffenen Ländern.
Damit Sie sich ein eigenes Bild machen können, haben wir auch hier noch einmal einige Links zum Thema aufgelistet.









