Mamma Mia Marschal

Mamma Mia Marschal

Antenne Düsseldorf à la Carte

Unsere Morgenfrau Tanja Marschal macht den Restaurant-Check und testet Restaurants auf Herz und Nieren. Wie es geschmeckt hat, erfahren Sie regelmäßig bei Antenne Düsseldorf. Das Fazit gibt es natürlich hier zum Lesen und Hören im Blog zu Mamma Mia Marschal.

12. Test: Taverna

Das Menu:

Dreierlei Mousse: Aubergine, Schafskäse, Zucchini

Tavernas Gambas-Pfännchen

Lammschmorbraten aus der Keule “kretanischer Art” mit Zitronen-Rosmarinkartoffeln

“Irgendein” Dessert

Tanjas Kritik

Ich hab’s geschafft. Vier Kilo mehr auf den Rippen. Das ist ne Leistung. Der letzte Tour-Test hat mich nach Bilk geführt - in die “Taverna” von Theo auf der Zimmerstraße. Was war das für ein lustiger Abend! So geil. Rappelvoll die Hütte und das, obwohl mir eine Bekannte vor kurzem gesagt hat: “Also, kulinarisch ist die Taverna eher so ein Ford Fiesta…” Kann ich nicht bestätigen. Das war echt lecker. Klar, jetzt keine sterneverdächtige Küche, aber den Anspruch muss die Taverna ja auch gar nicht haben und soll sie auch gar nicht. Und: Es ist das günstigste Menu bei der Tour. Die ist ja jetzt so langsam durch - ich möchte Ihnen aber trotzdem von dem Abend erzählen: Es lohnt sich nämlich, auch nach der Tour dahin zu gehen. Alleine schon wegen Theo, dem die Taverna gehört. Das ist echt “Erlebnisgastronomie”. Und: Er will das Menu auch noch weiter anbieten…

Ich war so um acht da. Wie alle anderen, die dort draußen saßen. Was macht Theo also? Kommt raus und sagt: “Leute, unser Koch hat nur zwei Arme. Ihr seid alle zur gleichen Zeit gekommen. Das kann also ein bisschen dauer.” Und dann -zack- knallt er ein Tablett auf den Tisch und sagt: “Wer sich also benachteiligt fühlt, hier ist Ouzo. Bitte schön.” Herrlich. In 30 Sekunden ist das Tablett leer. Hier ist aber keiner sauer, ganz im Gegenteil. Man sieht nur fröhliche Gesichter. Liegt einfach an der Atmosphäre hier. Super. Wir bekommen dann aber tatsächlich die Vorspeise: “Dreierlei Mousse: Aubergine, Schafskäse, Zucchini”. Dazu leckeres Brot zum Dippen. Ich fand’s echt gut. Genauso wie das “Gambas-Pfännchen”. Das waren richtige Oschis. Einfach lecker. Ohne viel Schnick-Schnack. Da kommt Theo aber auch schon und schmeißt sich auf seinen Roller. Im Vorbeigehen sagt er: “Muss noch Gambas holen. Reicht nicht.”

Der Typ macht einfach nur Spaß. Zwischendurch immer ein Plausch mit den Gästen. Ich steh auf so herzliche, etwas verpeilte Leute. Wir bekommen den “Lammschmorbraten aus der Keule “kretanischer Art” mit Zitronen-Rosmarinkartoffeln”. Hey, super! Zart, aromatisch, einfach richtig gut. Ups, und schon wieder ein Ouzo. Was soll’s. Ich hab’s nicht weit nach Hause. Wir haben so einen Spaß da. Es ist wie eine riesen Gartenparty mit Freunden. Das Essen ist mir fast egal. Und so gibt es zum Abschluss “Irgendein” Dessert. So steht’s auf der Karte und weil mir das Essen eben schon fast egal ist, weil ich so viel Freude habe, kann ich mich auch nicht mehr erinnern, was es war. (Oder liegt’s am Ouzo?…)

Wie dem auch sei. Was ich Ihnen sagen will: Da müssen Sie mal hin. Die Taverna liegt an einer Ecke, an der schon viele ihr Glück versucht haben, war aber meistens tote Hose. DAS Ding ist voll! Und das liegt nicht in erster Linie am Essen, sondern am ganzen Drumherum. Da trifft man sich. Aber eben nicht die Schicki-Micki. Perfekt zum Versacken. Und den Chef müssen Sie einfach mal erlebt haben. Abgesehen davon: Hey, es hat echt geschmeckt! Ich werde da jetzt auf jeden Fall des öfteren abhängen!

4. Oktober 2011, Tanja Marschal

11. Test: Aqua

Das Menu:

Amuse gueule: Lauwarme Blinis mit Seehasenkaviar und Crème fraiche

“Latte Macchiato” vom Hokkaido-Kürbis mit Curryblättern

Variation von spanischen Tapas

Filet Mignon im Kräutermantel mit Kirschtomaten-Bananenragout und Spinat-Schalottenrisotto

“Duett von der Wiener Oper”: Lauwarmes Apfel-Rosinenküchlein mit Marzipanparfait

So. Vier Kilo sind schonmal drauf. Aber es fehlt ja auch nur noch ein Test. Der vorletzte hier also im “Aqua”. Das ist das Restaurant im Hotel Mélia am Hofgarten. Schönes Teil. Atmosphärisch gut und wirklich wunderschön gelegen. An dieser Stelle schon das Lob für den Service. Der war witzig, aufmerksam und wusste, was er da tut.Bevor der Gruß aus der Küche kommt, gibt es ein knackwarmes Stangenbrot zum Teilen. Zupfbrot also. Oder Abzupfbrot. Dazu Oliventapenade, Aioli, Himalayasalz und Olivenöl. Wunderbar. Und das zeigt auch schon gleich wohin die Reise geht. Hier wird in der Regel modern mediterran gekocht. Die “Fernweh”-Kategorie geht heute Abend aber auch noch in andere Gefilde. Ich nehme die glasweise Weinempfehlung. Der Service weiß, was ich will. Das sind schöne Tropfen, die da als Begleiter auf den Tisch kommen.Der Gruß aus der Küche: “Lauwarme Blinis mit Seehasenkaviar und Crème fraiche”. Hui, da war der Koch aber gar nicht knauserig mit dem Kaviar. Schön. Das ist eine tolle Kombination. Und wie lustig die orangefarbenen kleinen Kügelchen im Mund knacken. Ist ein schöner Auftakt. Meine Freundin hätte davon gerne eine riesen Portion.

Riesen Portion ist das Stichwort für die Vorspeise: “Latte Macchiato” vom Hokkaido-Kürbis mit Curryblättern”. Ein großes Glas voll - eben so eins, in das auch ne Latte passen würde - voll mit Kürbissuppe. Geschmacklich finden wir die beide super. Ist uns nur zu viel. Mich macht Suppe immer so satt. Aber wenn Sie jetzt ein 2-Meter-Kerl sind, dann ziehen Sie das wahrscheinlich einmal kurz durch den Backenzahn. Die Kürbissuppe an sich ist richtig lecker. Der milde Curry gibt ihr eine ganz wunderbare Note.

Jetzt geht’s nach Spanien. Tapas-Variationen. Einmal Gambas. Einmal Chorizo… ja, ich sag mal Chorizo-Salat und dann noch - Moment - war es ein Flammkuchenstückchen? Sah so aus und war gut. Alles ok. Ich fand die Chorizo in kleinen Stückchen mit Paprika und tollen Gewürzen am besten. Deftig, salzig, steh ich drauf. Meine Freundin hat alles weggeputzt und strahlt.

Dann bin ich gespannt auf den Hauptgang: “Filet Mignon im Kräutermantel mit Kirschtomaten-Bananenragout und Spinat-Schalottenrisotto”. Hmm. Das ist jetzt schwierig. Ich fange mit den positiven Sachen an. Das Filet an sich war einfach nur perfekt gegart. Butterzart, tolles Aroma. Ein ganz schöner Klopper übrigens. Das Risotto war schön schlonzig und das Kirschtomaten-Bananenragout als Beilage eine äußert interessante Komposition. Und das meine ich durchaus positiv. Das einzige Problem hierbei war für mich der Kräutermantel. Der war so gar nicht meins. Ich fand die Konsistenz seltsam. Fast pastetenartig und ich kann auch nicht wirklich definieren, wonach das geschmeckt hat. Nebenan am Tisch das Pärchen fand den Kräutermantel toll. Ist eben alles Geschmackssache. Für mich persönlich war das nichts. Ich habe ihn dann auch an die Seite gelegt, um dieses tolle Filet essen zu können.

Fehlt noch das Desser: “Duett von der Wiener Oper”: Lauwarmes Apfel-Rosinenküchlein mit Marzipanparfait. Das war ganz große Klasse. Meine Freundin meint: Das Allerbeste. Wahnsinnig lecker. Das Menu kostet übrigens 45 Euro.

Ok. Fazit. Ich fand’s sehr schön dort. Werde sicherlich nach dem nächsten Hofgarten-Spaziergang mal da rein fallen. Angenehme Atmo, toller Service, schöne Weine und das Essen - wie gesagt - alles in allem richtig gut, bis auf den Kräutermantel, der mich so gar nicht angeturnt hat.

2. Oktober 2011, fiene

10. Test: Altes Fischerhaus

Das Menu:

Friesischer Küchengruß

Dreierlei Smörrebröd Röm Pöm Pöm

Meeresspargelschaum mit Föhrer Muschelragout unter der Friesenhaube

Hüfte vom Sylter Deichlamm mit Küstennebeljus in den Dünensand gesetzt

oder

Vor Helgoland gefangener weißer Heilbutt mit geröstetem Amrumer Schinken, Nordseekrabben und Föhrer Schmandkartoffeln

Schwimmende Inseln mit geeistem Leuchtturm

Tanjas Kritik:

An der Nordseeküste - klapp, klapp, klapp, klapp - am plattdeutschen Strand. Sind die Fiiiische im Wasser und selten an Laaand. Der musste sein. Klaus und Klaus. Meine Güte, ist das lange her. Ich habe noch ein Foto aus meiner Schulzeit: Ich mit hochrotem Kopf neben dem dünnen Klaus. Der ist heute nicht da. Dafür aber der Markus. Markus Schulte. Das ist der Chef in der Küche hier. Hier, das ist das “Alte Fischerhaus” in Urdenbach. Moin, moin.

Ich gebe zu, ich war noch nie hier tief im Süden essen. Und ausgerechnet hier geht’s kulinarisch in den Norden. Als der Kollege Arne Klüh und ich am Alten Rhein ankommen, sind wir erst einmal sprachlos. Was ist das für eine gigantische Aussicht?! Wollen wir drinnen oder draußen sitzen? “Draußen! Draußen!”, höre ich mich fast betteln. Und da sitzen wir dann direkt am Fluss. Unser Blick geht über das saftige Grün, weit hinaus über den Rhein. Ein absolut traumhafter Ausblick. Und da: Ein Storch!!!! “Nein”, sagt Arne und verdreht die Augen, “das sind Fischreiher!” Ok, Bio war nie meine Stärke. Ich kann mich tatsächlich an kein Restaurant erinnern, das so wunderschön liegt. Entspannung pur.

Es kommt der “Friesische Küchengruß”. Das ist ein einsamer roter Tintenfisch auf Algensalat mit Schlick. Sprich: Mayo-Sauce. Ach, dieser arme Kerl, wie er da sitzt auf den Algen. Schnell aufessen. Lecker. Ich steh so auf Algensalat. Wir gönnen uns zum Essen einen Weißen. Eine Cuvée aus Rivaner, Bacchus und Riesling. Schön leicht.

Die Vorspeise: Dreierlei Smörrebröd Röm Pöm Pöm”. Gott sei dank scheint der Küchenchef hier nicht so wahnsinnig zu sein wie der Koch aus der Muppet Show, denn das sieht wunderbar aus auf dem Teller. Das Dreierlei ist: “Räucherlachsespuma mit Wachtelei und Knoblauchsprossen auf Knäckebrotcrumble”, dann “Hallig-Schafskäsemousse mit Quittenmarmelade auf Vollkorncrumble” und “Dänisch süß-saurer Matjestatar auf Schwarzbrotcrumble”. Quasi drei ‘kleine Häppchen’, bei denen ich mich kaum entscheiden kann, was da jetzt am besten schmeckt. Matjestatar! Findet Arne auch. Schon jetzt wird klar: Das Alte Fischerhaus ist irgendwie anders. Kann es gar nicht so in Worte fassen. Hier steckt einfach so eine Ehrlichkeit in den Gerichten. Die schmeckt man richtig und die macht Spaß. Wie der nächste Gang: “Meeresspargelschaum mit Föhrer Muschelragout unter der Friesenhaube”. Ich liebe Meeresspargel. Der schmeckt immer so nach Urlaub, weil so nach Meer. Diese salzigen Stiele voller guter Stoffe für den Körper. Hier jetzt also in Form eines grünen Süppchens. Schmeckt fantastisch. Mit Muscheln hab ich es nicht so, aber ich probier’s. Dafür muss ich mich erstmal durch die Blätterteighaube kämpfen. Tja, auch die Muscheln habe ich aufgegessen. Hat nämlich richtig gut geschmeckt. Hier steckt richtig viel Liebe drin.

Ups - guck mal: Schon wieder ein Storch! Arne hat aufgegeben, mich darauf hinzuweisen, dass es die hier nicht gibt. Dafür aber einen wunderschönen Sonnenuntergang, der uns jetzt beschert wird. Wow. Könnte fast romantisch sein, wenn der Arne nicht schon vergeben wäre.

Jetzt haben wir die Qual der Wahl: “Hüfte vom Sylter Deichlamm mit Küstennebeljus in den Dünensand gesetzt” oder “Vor Helgoland gefangener weißer Heilbutt mit geröstetem Amrumer Schinken, Nordseekrabben und Föhrer Schmandkartoffeln”. Arne nimmt das Lamm. Aber wenn wir schon im Fischhaus sind, dann für mich doch den Fisch. Ganz großartig! Beides. Und interessant, wie das Menu wirkt. Dieses Nordische. Wir sprechen schon seit einer halben Stunde über Hamburg… Dazu weht uns ein laues Lüftchen um die Ohren und der Rhein fließt und fließt…

Das Dessert steht noch aus: “Schwimmende Inseln mit geeistem Leuchtturm”. Eine wunderbare Blaubeersauce, in der ein Leuchtturm steht. Hat man den erstmal geknackt, dann stößt man auf eine sauleckere Schokoladeneis mit Rum. Aber nicht zu viel, sonst würde der Turm ja besoffen umkippen. Und was sollte dann mit den ganzen Schiffen passieren? Genau die richtige Menge. Es schmeckt traumhaft. Jetzt noch einen kleinen Digestif. Der kommt aus Hamburg: Feiner Kümmel. Wow, der kann was!

Wie dieser ganze Abend. Das Alte Fischerhaus ist eine echte Entdeckung. Ich mag diese ehrliche Küche, diesen Service, der perfekt dazu passt. So freundlich, witzig und bodenständig. Unfassbar schön gelegen. Und einfach nur saulecker. Das 5-Gänge-Menu kostet 38 Euro. Top.

29. September 2011, Tanja Marschal

9. Test: Reef and Beef

Das Menu:

Welcome drink: Rosé Champagner

Crab Cake mit Meerrettich-Senfsauce; Steak-Tatar vom Triple Star Filet mit Kapern, gehackten Zwiebeln und Sambal Oelek auf Schwarzbrot; Jumbo-Shrimps auf Cocktailsauce;

Original Balik Salmon “Tsar Nikolaj” mit Meerrettich

Lobster-Bisque - Hummerschaumsuppe mit Scherenfleisch

Reef & Beef: 200g Triple Star Filet mit Cayennepfeffer-Sauce und Langustenschwanz mit Zitronenbuttersauce serviert mit getrüffelten Mash-Potatoes und frisch gegrilltes Gemüse

Dessertvariationen: Panna Cotta mit Himbeer- und Mangosauce; Hausgemachte Brownies mit Vanillesauce; Orangen-Crème brulée mit Cointreau

Tanjas Kritik:

Heute geht’s ins “Reef & Beef“. So die gehobene Nummer der amerikanischen “Surf & Turf”-Restaurants. Sprich: Auf den Teller kommt das Beste aus dem Meer und das Beste von der Wiese oder aus den Bergen oder was weiß ich, wo die edlen Tiere so fressen, wenn sie frei rum laufen dürfen. Fisch und Fleisch halt in bester Qualität und so auch nicht allzu oft in Düsseldorf zu finden, zumal da auch echte Raritäten auf dem Teller landen. Ich mag den Laden. Es hat was von Candellight-Dinner, wenn man dort isst. Relativ dunkel und überall Kerzenständer. Schöne Atmosphäre. Da funkelt der Rosé Champagner richtig, den es als Welcome drink gibt.

Wir starten mit der Vorspeise. Da gibt’s ganz viele Sachen auf einmal: Einen “Crab Cake mit Meerrettich-Senfsauce”, daneben das “Steak-Tatar vom Triple Star Filet mit Kapern, gehackten Zwiebeln und Sambal Oelek auf Schwarzbrot”, einen “Jumbo-Shrimp auf Cocktailsauce” und zwei Scheiben vom “Original Balik Salmon ‘Tsar Nikolaj’ mit Meerrettich”. Hey, wow! Meine Freundin fällt gleich über den riesen Shrimp her und sagt: “Krass! Der schmeckt gar nicht so richtig fischig!” Das soll ein Kompliment sein. Festes Fleisch, toll. Ich steh auf das Steak-Tatar. Das ist erstklassig. Die Kapern dazu geben den richtigen Wumms. Was uns beide total begeistert, ist der Crab Cake. Meine Freundin meint: “Wow! Der schmeckt wie ein richtig guter, frischer ‘Bremer’!” Dann guckt sie wie ein angeschossenes Reh und sagt: “Oh, das darf man gar nicht sagen, oder?” Doch. Ok, der Vergleich mit der Fischkette, bei der man sich die ganzen Fischbrötchen kaufen kann, der ist fast lächerlich in Bezug auf die Qualität, aber ich weiß was sie meint. Der Crab Cake ist wirklich wunderbar mit diesem frischen Meerrettich. Ganz weich, schmeckt großartig.

Und vor allem fühlt man sich nach dieser Vorspeise Deluxe nicht schon gleich voll. Alles so leicht und frisch und fein.

Als zweiter Gang kommt die “Lobster-Bisque - Hummerschaumsuppe mit Scherenfleisch”.

Da hat es die Küche wirklich gut gemeint. Das ist eine ganz schön große Portion. Ich denke, für einen ‘Mann’ perfekt - ich kann sie nicht komplett auslöffeln, sonst bin ich gleich wirklich satt. Geschmacklich ist die ganz gut. Ich brauchte drei, vier Löffel, bis sie mich hatte. Es ist vielleicht ein bisschen unfair, aber ich habe nunmal jetzt den direkten Vergleich zum “Hummerstübchen”, wo es auch eine Hummersuppe gab. Und da liegen dann wirklich Welten dazwischen. Fairerweise muss man sagen, dass Peter Nöthel im Hummerstübchen zwei Sterne hat und der Name der Suppe hier Programm ist. Trotzdem: Im Vergleich kommt sie im “Reef & Beef” dann nicht so gut weg.

Anders sieht’s beim Hauptgang aus. Da ist der Name jetzt an dieser Stelle Programm: “Reef & Beef: Ein “200g Triple Star Filet mit Cayennepfeffer-Sauce und ein Langustenschwanz mit Zitronenbuttersauce”. Dazu gibt getrüffelte Mash-Potatoes und frisch gegrilltes Gemüse. Fantastico! Das haben sie hier wirklich drauf. Bevor wir dieses unfassbar gute Fleisch anschneiden, wird uns sogar noch gesagt, was das Tier zu essen bekommen hat. Also, bevor wir es essen. Mit Mais wurde es gefüttert. Und noch was. Habe ich vergessen, weil ich so baff war. Das habe ich auch noch nicht erlebt. Cool! Und das Rind ist sowas von auf den Punkt! Der Langustenschwanz ist so riesig, dass meine Freundin beim Service nachfragt: “Sind Sie sich sicher, dass das kein Hummer ist?” Es ist eine Languste. Und geschmacklich umwerfend. Vor allem mit den ganzen Saucen dazu. Übrigens auch große Klasse: Das Kartoffelpüree mit Trüffel dazu. Möchte ich mir am liebsten einpacken lassen, weil wir das niemals aufkriegen. Alle Daumen hoch für diesen Gang!!!

Zum Service habe ich noch gar nichts gesagt. Super. Wie er sein soll. Haben uns richtig gut aufgehoben gefühlt. Danke.

Fehlt aber noch das Dessert: “Panna Cotta mit Himbeer- und Mangosauce; Hausgemachte Brownies mit Vanillesauce; Orangen-Crème brulée mit Cointreau”. Auch sehr lecker. Passt.

Fazit: Die perfekte Anlaufstelle, wenn Sie beides wollen - Fisch und Fleisch - und zwar in 1A-Qualität. Surf & Turf eben, nur viel besser. Was Sie allerdings wissen müssen: Das Menu gibt es erst ab zwei Personen und es ist das teuerste bei dieser Tour. Kostet 89 Euro. Das ist ne Menge Holz, aber Sie müssen auch bedenken, was Sie da essen: Wirklich Edelstes aus dem Meer und vom Rind!

28. September 2011, Tanja Marschal

8. Test: Hummerstübchen

Das Menu:

Amuse bouche

Marinierter Thunfisch mit Königskrabbe, Wasabisorbet, Perlzwiebeln und Avocadomousse

Hummersuppe mit Champagner

Das Beste vom Milch-Kalb als Filet, geschmorte Haxe und Ravioli mit Erbsencreme und Kräutersaitlingen in Jus mit Kaffeearoma

Lauwarme Tarte von Valrhona-Schokolade mit Zwetschgenragout, Tonkabohneneis und Nougatmousse

Tanjas Kritik

Da hat sie sich aber in Schale geworfen, die Kollegin Sabine Piel. Quasi wie der Hummer heute Abend. Ha! Brüller! Richtig schick mit einem viel Haut zeigenden Oberteil. Geht ja auch ins “Hummerstübchen” von Peter Nöthel. Man gönnt sich ja sonst nichts. Zwei Sterne hat er sich erkocht und gehalten. Unter diesen Gesichtspunkten freu ich mich richtig auf das Essen, zumal die 67 Euro für das Menu in keinster Weise überirdisch sind. Das ist echt sowas von human.

Beim letzten Test habe ich mal wieder gemerkt, wie wichtig guter Service ist. Damit steht und fällt vieles. Und hier kann ich mich vor den Service-Damen nur verneigen. Das ist perfekt. Und das meine ich nicht im Sinne von kalt und steril. Ganz im Gegenteil. Hier wird Ihnen jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Und zwar bevor Sie diesen Wunsch überhaupt haben. Es ist voll an diesem Abend. Wundert mich aber nicht. Wann bekommt man schon mal ein Sterne-Menu für 67 Euro!?!

Wir entscheiden uns als Weinbegleitung für eine Flasche Riesling von Van Volxem. Immer eine gute Wahl. Geht auch gleich los mit dem Gruß aus der Küche: Eine Jacobsmuschel auf einem Passionsfruchtspiegel. Sensationell! Was eine Kombination. Am liebsten würde ich aufstehen und wild in die Küche zurück winken. Wir sind jetzt richtig angefixt. Können die Vorspeise kaum erwarten: “Marinierter Thunfisch mit Königskrabbe, Wasabisorbet, Perlzwiebeln und Avocadomousse”. Wow! Das ist Kunst auf dem Teller und Kunst für den Magen. Der Thunfisch hat eine Farbe - wie aus dem Bilderbuch. Zart, aromatisch, traumhaft. Mich flasht vor allem das Wasabisorbet. Hat diesen gewissen Kick, ist aber nicht so scharf, dass es einem die Schuhe auszieht. Und die Perlzwiebeln. So können Zwiebeln doch gar nicht schmecken. Ach, alles. Wir sind restlos begeistert und geben komische Laute von uns. Sowas wie “Pforr”, “Boah” oder “Ey…”.

Und immer wieder dieser Traumservice. Ich sehe mich in Gedanken zurückgelehnt auf dem Stuhl sitzen, wie mir die Trauben von oben in den Mund fallen. Meine Güte, was kann man es sich gut gehen lassen.

In dem Menu darf die Königsdisziplin natürlich nicht fehlen. Peter Nöthels legendäre “Hummersuppe mit Champagner”. Jetzt bin ich nicht so der Suppen-Fan. Verbinde ich immer mit Kranksein, keine Ahnung. Aber diese hier: Sowas von fein abgestimmt. Genau die richtige Menge auch, damit man hinterher nicht schon platzt. Das hat nichts fett sahniges, das ist einfach nur fein, die Geschmacksknospen weiten sich. Der Hummer, der unten in der Schüssel noch eine Runde schwimmt, ist butterzart. Ich lasse keinen Tropfen mehr übrig.

Jetzt aber erstmal ein kurzes Päuschen für die Lunge. Wir praktisch ist das eigentlich für Raucher: Ein extra gemütlich eingerichteter Raum nebenan. Das aber nur am Rande.

Die Sinne sind geschärft für den Hauptgang: “Das Beste vom Milch-Kalb als Filet, geschmorte Haxe und Ravioli mit Erbsencreme und Kräutersaitlingen in Jus mit Kaffeearoma”. Ja, was soll man dazu noch sagen? Ich kann mich auch gar nicht entscheiden, was ich am besten finde. Das Filet ist ein Traum, die Haxe auch. Ich glaube, ich stehe besonders auf den gefüllten Ravioli  mit den zarten Pilzen oben drauf. Das ist mein Highlight bei diesem Gang. Obwohl man das eigentlich kaum sagen kann…

Und das ist so gemütlich hier. Wir wollen gar nicht nach Hause. Müssen wir ja auch noch nicht. Es kommt ja noch das Dessert: “Lauwarme Tarte von Valrhona-Schokolade mit Zwetschgenragout, Tonkabohneneis und Nougatmousse”. Die Kollegin Piel sagt nur: “Was für eine Schweinerei!” Ja! Wir sind im Schlaraffenland. Ich bade in diesen sensationellen Sünden, die sogar mit etwas Gold beträufelt wurden. Ob das blöd kommt, wenn ich den Teller ablecke? Ich lass es lieber. Gibt ja schließlich auch noch Pralinen hinterher - das sollte dann wirklich reichen für das nächste angefutterte Kilo. (Ich bin nur immer noch sauer, weil Sabine die weiße Praline gegessen hat. Die hatte ich schon die ganze Zeit fixiert…)

Also, Beine in die Hand nehmen und ab nach Lörick ins Hummerstübchen. Das lohnt sich wirklich. Fantastische Küche, die richtig viel Spaß macht. Ähnlichkeiten mit mir und dem TV-Sender “9Live” sind rein zufällig: Sie haben nur noch wenig Zeit! Wenn Sie nicht bis zum dritten Oktober angerufen haben, um zu reservieren, dann sind Sie wahnsinnig! Sie wissen ja gar nicht, was Sie sich entgehen lassen! Sie müssen nur einen Buchstaben ergänzen: _ummerstübchen. Gleich hau ich auf den Hotbutton! Los!

26. September 2011, Tanja Marschal

7. Test: Bocconcino

Das Menu:

Rindercarpaccio geschichtet mit Löwenzahnsalat, Artischocken, Sardellen und Parmesanscheiben in einem Balsamico-Dressing

Risotto mit Steinpilzen und Linguini mit Kaisergranat

Lottemedaillons mit Auberginenscheiben, Tomaten und sardinischem Schafskäse

Kalbsfiletmedaillons gefüllt mit Entenstopfleber in einer Madeira-Trüffelsauce

Blätterteig gefüllt mit einer sizilianischen Vanillecreme serviert mit heißer Schokoladensauce

Tanjas Kritik:

Auch mal praktisch. So nach dem Dienst quasi aus dem Fenster zu hüpfen, um dann ein paar Meter weiter in Italien zu landen. Das “Bocconcino” im Hafen, dort wo vorher mal das Restaurant ‘Hafenperle’ war. Riesiger Laden, alles in hippem Lila gehalten und ein Aquarium, in dem exotische Fische paddeln. Die Aussicht auf den Hafen - ein Traum. Bevor wir aber am Tisch sitzen, wird’s etwas chaotisch: Es gibt keine Reservierung für uns. Und dabei hatte ich doch extra nochmal einen Tag vorher angerufen. Der Service wirkt etwas verpeilt, aber sehr charmant. Ich find’s fast niedlich, kann aber auch anstrengend sein.

Damit keine Missverständnisse entstehen, kündigt der Kollege Dennis Lieske gleich zu Beginn an, dass der Chef sich später ruhig über die Spesenrechnung ärgern soll. Ich glaube, er hat Lust auf guten Wein. Und deswegen gleich die Frage, ob es eine Weinbegleitung zum Essen gibt. Gibt es so konkret nicht, aber wir bekommen was empfohlen. Problem ist nur: Ich versteh nicht was. Irgendwie nuschelt sich der charmante Kellner was zusammen. Egal - wird schon passen. Tut es auch.

Es gibt erst einmal einen Gruß aus der Küche. Leckere knackige Linsen. Der Teller ist noch nicht leer, da steht schon der erste Gang bereit. Das geht aber ganz schön zackig hier: “Rindercarpaccio geschichtet mit Löwenzahnsalat, Artischocken, Sardellen und Parmesanscheiben in einem Balsamico-Dressing”. Ich habe noch nie Löwenzahn gegessen. Den habe ich als Kind eigentlich eher für mein Kaninchen im Garten gesammelt. Obwohl - stimmt so auch nicht. Ein einziges Mal war ich sammeln, dann habe ich das Interesse verloren und Mama musste losziehen. Bin also gespannt, ob mir das schmeckt, was dem Moppel auch geschmeckt hat. Tut es nicht. Das Carpaccio ist wirklich großartig, aber der Löwenzahnsalat… Ist mir einfach eine Spur zu bitter.

Kaum ist das Rindercarpaccio vom Teller geputzt, steht schon wieder der nächste Gang an. Das geht mir ein bisschen zu zackig. Der Kollege Dennis Lieske sagt: “Wenn das so weitergeht, sind wir hier in einer halben Stunde raus.” Jetzt aber erst einmal das “Risotto mit Steinpilzen und Linguini mit Kaisergranat”. Da muss ich sagen: Top! Risotto schön knackig und schlonzig, die Nudeln schön bissfest, wie sie sein sollen und das Schalentier auf den Punkt zubereitet. Sehr, sehr lecker. Bevor jetzt aber schon wieder der nächste Gang kommt, die Bitte an den Service: Piano, piano. Ein verwirrter Blick, aber ich denke, es ist angekommen. Danach geht’s dann etwas langsamer… Zeit also für eine Länge schlechte Angewohnheit. Ab nach draußen. Als wir wieder rein kommen, nehme ich am Tisch platz und wunder mich kurz über meine Tischnachbarin. Die sah doch vorhin irgendwie anders aus. Großes Gelächter vom Tisch hinter uns. Ich sitze also am Falschen. Liegt wohl daran, dass hier alles so identisch aussieht. Macht ja Sinn, aber ich komm irgendwie nicht ganz klar damit. Egal. Der Fisch wartet.

“Lottemedaillons mit Auberginenscheiben, Tomaten und sardinischem Schafskäse”. Der Fisch wieder super. Schön gewürzt, perfekt gegart - der Rest ist aber eher unspannend. Also konzentrieren wir uns auf das Wesentliche. Genauso wie beim Fleischgang: “Kalbsfiletmedaillons gefüllt mit Entenstopfleber in einer Madeira-Trüffelsauce”. Die Medaillons sind traumhaft. Schön zart und rosa. Von der Sauce bekomme ich nicht wirklich viel mit. Die Entenstopfleber macht mich gar nicht an. Hmm. Bin ziemlich hin und her gerissen. Die ‘Hauptbestandteile’ auf dem Teller bis hierhin - Fisch, Fleisch, Risotto, Pasta - die sind richtig gut. Der Rest fällt komplett ab. Dann jetzt mal alle Hoffnung auf das Dessert: “Blätterteig gefüllt mit einer sizilianischen Vanillecreme serviert mit heißer Schokoladensauce”. Macht leider weder mich noch den Kollegen Lieske an. Die Schokosauce gibt’s erst gar nicht. Der Rest ist jetzt nicht schlecht, aber irgendwie langweilig.

Wie immer gilt: Alles Geschmackssache. Das Menu hatte Höhen und Tiefen. Der Wein war super. Der Service etwas durcheinander, aber charmant. Die Location schick und toll gelegen mitten am Hafen. Ich würde sagen: War ganz nett, ist jetzt aber nicht so, dass ich da raus gegangen bin und gedacht habe: “Hier muss ich nochmal hin!” Preislich ok. 43,50 Euro für die fünf Gänge.

23. September 2011, Tanja Marschal

6. Test: Brasserie 1806

Das Menu:

Mini Fruit de Mer - Hummer, Auster, Jakobsmuschel

Carpaccio von der geräucherten Ente, Apfel und Sellerieremoulade an karamellisierter Sherryvinaigrette

Friséesalat mit knusprigem Speck, Roquefortkäse und pochiertem Wachtelei

Maissuppe mit Curry Popcorn Risotto mit Morcheln, Bohnen und Sesam

Saltimbocca vom Rinderfilet mit Jack Daniel’s, Black Pepper Béarnaise und rotem Schalottenkompott

Mini Windbeutel mit Pralineneis und Schokoladenfondue

Tanjas Kritik

Sie glauben ja gar nicht, wie weit man in vier Stunden reisen kann.
Ich bin von Düsseldorf aus über London und New York nach Kapstadt und
Tokyo und über Mailand dann am Ende in Paris gelandet. Und diese
einzigartigen, kaum zu beschreibenden Erlebnisse gibt es für 79 Euro.
Die “Brasserie 1806″ im Breidenbacher Hof zieht das Motto “Fernweh”
sowas von durch. Es gibt sieben Gänge, die jeweils in die “besten”
Brasserien der Welt führen. Ich kann kaum sagen, in welcher es am
schönsten war. Doch. In Düsseldorf. Und in Mailand. Und in Paris. Aber
der Reihe nach.

Schick ist er ja, der Breidenbacher Hof. Manchmal steh ich auf diesen
Prunk. Vielleicht auch, weil man sich in der “Brasserie 1806″ nie
unwohl fühlt, auch wenn man nicht gerade frisch operiert von der Kö
kommt. Sehr freundlich der Service hier, sehr zuvorkommend. - Gehobene
Gastro eben, aber nicht steif und reserviert. Genau das richtige Maß.
Und so schließen die Kollegin Claudia Monreal und ich “unseren Wulf”
gleich ins Herz. Der kümmert sich heute unter anderem darum, dass wir
immer was im Glas haben. Wir gehen mit seinen Empfehlungen und sind
restlos begeistert. Was für Tropfen… Und vor allem: Wie perfekt die
zum Essen passen!

Wir beginnen mit dem Hausherren. Also dem kulinarischen Streifzug aus
der Brasserie 1806 hier im Breidenbacher Hof: “Mini Fruit de Mer -
Hummer, Auster, Jakobsmuschel”. Pforrr. Was ein Auftakt.
Spitzenklasse. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Also gleich weiter in ‘La Brasserie London’. Aus ihr erwartet uns
“Carpaccio von der geräucherten Ente, Apfel und Sellerieremoulade an
karamellisierter Sherryvinaigrette”. Claudia verdreht schon wieder die
Augen und, ja, sie hat recht. Auch das ist zum Verrücktwerden gut.
Allein dieses Rauchige von der zarten Ente… Könnte mich reinlegen.

Aber wir müssen jetzt in den Flieger und ab in die ‘Brasserie Les
Halles New York’. Der dritte Gang: “Friséesalat mit knusprigem Speck,
Roquefortkäse und pochiertem Wachtelei”.

Auch da gibt’s überhaupt nichts zu kritisieren. Das ist ne tolle
Mischung. Ich persönlich hab’s nicht so mit Roquefortkäse. Der zieht
mir immer die Schuhe aus, wofür er persönlich ja nichts kann, aber
dafür klaut mir Claudia den Rest vom Teller, der mal wieder wie ein
Kunstwerk aussieht. Ich versinke dafür im Wein, der perfekter nicht
sein könnte.

Weiter geht’s in der ersten Klasse im Flieger nach Kapstadt in die
‘Bombay Brasserie’. Und das wird jetzt lustig. “Maissuppe mit Curry
Popcorn”. Es gibt die Suppe und dazu ein extra Tütchen Maisgepoppe.
Das kann man einfach so dazu essen oder Sie machen es so wie ich und
werfen es in die Suppe. Dann wird das Popcorn weich, entfaltet sein
Gewürz nochmal ganz anders und macht einfach nur Spaß im Mund.

Geht Ihnen das schon auf den Keks, dass ich hier so schwärme? Aber was
soll ich machen? Es ist einfach nur grandios, was hier auf dem Teller
landet. Und wissen Sie was? Es geht noch weiter. Haha. So! Aus der
‘Brasserie Benoit Tokyo” kommt jetzt ein “Risotto mit Morcheln, Bohnen
und Sesam” auf den Tisch. Darf ich Ihnen dazu einen Tipp geben?

Sie können die ganzen Zutaten einzeln essen, aber wenn Sie alles
zusammen in den Mund nehmen: Ein bisschen was vom Risotto, einen Pilz
und dann noch was von dem Kräuteröl auf dem Teller - dann entfaltet
das Gericht seine wahre Stärke. Ach ja, und bevor Sie meckern, dass
das Risotto ja gar nicht so ist wie das, was Sie vom Italiener kennen:
Es kommt ja auch aus Japan!

Zum herrlichen Rotwein kommt jetzt mein absolutes Highlight des Menus
aus ‘La Brasserie Mailand’: Das “Saltimbocca vom Rinderfilet mit Jack
Daniel’s, Black Pepper Béarnaise und rotem Schalottenkompott”. Ich
flipp aus! Und ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich
jemals so ein gutes Rinderfilet gegessen habe. Ich finde dafür keine
Worte. Claudia auch nicht. Sie kann nämlich gar nicht mehr reden, weil
sie die Augen geschlossen hat und nach und nach dieses unfassbar
zarte, geschmacklich explodierende Filet in den Mund schiebt. Lief ihr
gerade eine Träne über die Wange? Nein, keine Sorge, so kitschig
wird’s nicht. Ich bin jetzt nur leider so langsam satt, habe noch ein
Stückchen auf dem Teller, höre mich aber zu Wulf sagen: “Ich kann
nicht mehr! Aber ich bleibe so lange hier sitzen, bis ich wieder kann.
Das lasse ich nicht liegen.”

Also erstmal Pause. Was aber am Ende immer noch geht: Das Dessert. Aus
der ‘Brasserie Benoit Paris’: “Mini Windbeutel mit Pralineneis und
Schokoladenfondue”. Was für eine tolle Schweinerei. Und jetzt wird’s
peinlich. Claudia guckt mich streng an (wie meine Mutter als ich mit
drei Jahren den Schreibtisch und mich mit Lackfarben bemalt habe) und
sagt: “Tanja!!!!” Aber in was für einem Ton… Sie hat ja recht. Ich
habe mich nicht mehr unter Kontrolle. Statt die Windbeutelchen mit der
Schokosauce zu beträufeln, tauche ich den großen Löffel ein und löffel
die warme, flüssige Schokolade wie Nutella.

Was soll man nach diesem Essen sagen? Für mich war es das perfekte
Menu. Gut, jetzt werden Sie vielleicht sagen: 79 Euro pro Person, das
ist ne Ansage. Klar, das ist für viele viel Geld, aber absolut
gerechtfertigt. Ach - eigentlich ein Witz. Ganz ehrlich: Allein das
Rinderfilet wär mir die 79 Euro schon wert gewesen. Der Service war
auch einfach nur Hammer. Lassen Sie sich das nicht entgehen!

20. September 2011, Tanja Marschal

5. Test: Monkey’s East

Das Menu:

Thailändischer Rindfleischsalat:

Gebratenes Rindfleisch mit Koriander, Minze, Karotten und Salatgurke

Sashimi:

Thunfisch, Lachs und Gelbschwanzmakrele

Grünes Curry: mit Entenbrust, Bambus und Paprika

Mangopudding: mit gebackenen Litschiravioli

Tanjas Kritik:
Moment. Ich muss mich kurz mal orientieren… Wenn hier Westen ist, dann ist da Süden, und dann muss das da vorne Osten sein. Jawoll! Drei Monkey’s-Restaurants gibt es am Graf-Adolf-Platz. Das West, das South und das East. Und da muss ich hin. Die kochen nämlich in der Kategorie “Fernweh”. Beim “Monkey’s East” wurde ein bisschen am Konzept gearbeitet, wurde erst vor kurzem wiedereröffnet, also bin ich mal gespannt. Es sieht ein bisschen edler aus, aber es hängen immer noch diese ganzen coolen Bilder aus Asien oben über der Theke. Steh ich ja drauf. - Ist es eigentlich peinlich, dass ich an diesem Abend mein BVB-Auswärtstrikot unter’m Blazer trage? Später ist nämlich Champions League angesagt. Hmm, scheint den Service zumindest nicht zu stören. Der ist richtig auf Zakk und bringt uns gleich ein Gläschen Sekt zum Auftakt.

Was gibt’s überhaupt heute? Das Menu ist so eine Mischung aus Thailand und Japan. Wir nehmen deswegen eine Flasche Riesling dazu. Der soll zu den Gerichten passen. Tut er auch. Wir starten mit einem “Thailändischen Rindfleischsalat”. Drin ist: Gebratenes Rindfleisch mit Koriander, Minze, Karotten und Salatgurke. Richtig erfrischend. Knackig, gutes Fleisch, die Minze gibt einen richtigen Kick - hat total nach Asien modern geschmeckt. Mein Problem ist nur immer Koriander. Ich steh da einfach nicht drauf. Und so war mir der Koriander-Geschmack hier zu dominant. Für den Kollegen Philipp Klees war’s perfekt, also halte ich mich da raus.

Auf den nächsten Gang bin ich gespannt. Ich liebe nämlich japanisches Essen und esse mich ständig die Klosterstraße rauf und runter. Da stimmt die Sushi-Qualität eigentlich immer. Im Monkey’s East gibt es jetzt “Sashimi: Thunfisch, Lachs und Gelbschwanzmakrele”. Sprich: Rohen Fisch in Scheiben geschnitten. Ich gebe zu, ich bin skeptisch, denn wenn der Fisch etwas dicker geschnitten ist und keine gute Qualität hat, auch nicht frisch genug ist, dann kriege ich einen Würgereiz. Dann kaut man da ewig drauf rum und es wird immer mehr im Mund…

Dann also mal rein in die Höhle des Löwen. Optisch sieht das super aus. Der erste Biss in den Thunfisch… Ich flipp aus! Was ist das denn für eine Qualität?! Burner! Ich trau mich gar nicht, was von dem scharfen Wasabi zu nehmen oder von der Soja-Sauce - ich will diesen Geschmack nicht verfälschen. Obwohl, manchmal gibt das noch den Extra-Kick. Ich bin restlos begeistert. Top Qualität, top frisch - die müssen sich hier nicht vor den Japanern verstecken.

Jetzt muss ich aber mal ein kurzes Päuschen einlegen. Frische Luft schnappen, Sie verstehen? Ich bin mit der Fluppe schon echt schnell unterwegs, aber in der Küche scheinen die gerade einen Weltrekord aufstellen zu wollen. Kaum bin ich wieder drin, steht schon das “Grüne Curry mit Entenbrust, Bambus und Paprika” auf dem Tisch. Geht alles rasend schnell - passt mir super an diesem Abend. Ich muss ja schließlich gleich den BVB zum Sieg gegen Arsenal schreien. Der freundliche Service hat aber auch vorher gefragt, ob es ok ist, wenn es so zackig weitergeht. Ist es. Also, nur für den Fall, dass Sie es mal eilig haben, die können richtig schnell. Muss aber nicht.

Jetzt also wieder Thailand auf dem Teller. Oder besser gesagt in der Schüssel. Das Gemüse ist knackig, die Ente richtig zart und das Curry hat für meinen Geschmack genau die richtige Schärfe. Gut, ich hätte noch ein bisschen mehr Wumms vertragen, aber es muss ja für alle genießbar bleiben. Der Kollege Philipp Klees schwächelt erst fast (ist aber auch eine Mimose in Sachen Schärfe), hat sich dann aber anscheinend daran gewöhnt und ist begeistert. Das schmeckt wirklich lecker und vor allem selbstgemacht und nicht nach grüner Fertigpaste. Schön. Macht Spaß!

Jetzt machen wir aber wirklich erst einmal eine kleine Pause vor dem Dessert. Ups, die Flasche Wein ist ja schon leer. Der säuft aber auch immer, der Philipp ;-) Dann müssen wir halt noch ein Gläschen bestellen, bevor der “Mangopudding mit gebackenen Litschiravioli” kommt. Ich glaube, der Philipp hat Angst vor diesem letzten Gang. Er sagt nämlich: “Ich weiß nicht… Litschi finde ich komisch. Die erinnert mich immer so an Augäpfel…” Na, lecker! Was bin ich froh, dass man die Litschi gar nicht sieht, sonst fällt der mir noch vom Stuhl. Die steckt nämlich im Teig und ist auch gar nicht mehr rund, dafür aber warm im Teig gebettet und schweinelecker. Findet er dann auch. Der Mangopudding hat ne coole Farbe, schmeckt auch gut, ist jetzt aber keine Explosion. Wir pfeifen uns noch einen Absacker rein. Ich hatte einen tollen Digestif mit Avocado. Glaube ich…. Weiß ich nicht mehr genau, denn da war ich vor Nervosität vor dem Spiel kaum noch bei mir.

Was bleibt von diesem Abend? Ein fantastischer Volley-Schuss von Perisic zum 1 zu 1 und die Freude darüber, dass sich das Monkey’s East anscheinend endlich gefunden hat. Man sitzt das stylisch, aber nicht kühl. Die Fotos aus Asien, die dort angestrahlt hängen, sind einfach nur cool. Die Küche hat den Dreh raus. Das hatte Pfiff, das war geschmacklich alles in allem super abgestimmt. Feine Küche. Gefällt! 34 Euro für 4 Gänge - da kann man wirklich nicht meckern. Und vor allem: Sie haben da mindestens zwei Länder unter einem Dach, da muss man sich nicht entscheiden, ob es zum Thai oder Japaner geht.

20. September 2011, Tanja Marschal

4. Test: Exkurs: Saltimbocca

Das Menu:

Auberginenküchlein alla marinara

Triangoli von Kürbis in Orangen-Ingwer-Sauce

Edelfisch mit Flusskrebsen und frischen Estragonzweigen, Cognac und Schalotten - dazu frisches Gemüse der Saison

Scroppino alla veneziana

Perlhuhn mit eingelegten Birnen in Barolo und Balsamico

Eine Dessert-Spezialität von unserem Sebastiano

Tanjas Kritik:

Ich hatte Besuch von einer Freundin. War ja klar, dass die Essen gehen wollte. Passt mir nicht so ganz gerade mit den ganzen Tour-Restaurants, die ich ja irgendwie unterkriegen muss, aber was willste machen. Sie wollte zum Italiener. Und da dachte ich mir: Nimmste das “Saltimbocca”, das hat schon so oft bei der Tour gewonnen, kann eigentlich nichts schief gehen, und das macht jetzt auch wieder mit. Dann kann ich das ja gleich hier im Blog mitverwerten. Also ab nach Gerresheim. Die Kategorie: Kräutergarten.

Sechs Gänge erwarten uns in diesem sympathischen Restaurant. Und was soll ich sagen, ohne andere in dieser Kategorie getestet zu haben: Ich “befürchte”, die gewinnen wieder. Das ist einfach so unfassbar lecker, was die dort in der Küche zaubern. Sie können mir das jetzt glauben oder nicht, aber seitdem ich da war, bekomme ich die “Triangoli von Kürbis in Orangen-Ingwer-Sauce” nicht mehr aus dem Kopf. Das sind so tolle, kleine Pastatäschchen, die man füllen kann. Und hier kam eben Kürbis rein. Das zusammen mit der unfassbar guten Sauce… Ich bin leider süchtig. Wären danach nicht noch vier Gänge gekommen, ich hätte mir noch eine Portion bestellt.

Meine Freundin hat dann beim “Edelfisch mit Flusskrebsen und frischen Estragonzweigen, Cognac und Schalotten - dazu frisches Gemüse der Saison” fast geweint. Sie meinte nur: “Sowas leckeres habe ich lange nicht mehr gegessen!” Das war wirklich wieder so eine Geschmacksbombe mit wunderbarem, perfekt gegartem Fisch. Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln. Kann da nicht mal was schlecht schmecken? Ich würde so gerne mal wieder meckern, aber der Hauptgang, das “Perlhuhn mit eingelegten Birnen in Barolo und Balsamico” - dafür würde ich zum Mörder werden. Da schmecken sogar die kleinen Kartoffeln dazu wie nicht von dieser Welt. Das Dessert sowieso. Lassen Sie sich überraschen. Ach, was ein Traum…

Sie merken schon: Ich kann es kurz machen: Wenn Sie die italienische Küche lieben, dann muss das “Saltimbocca” eigentlich eine ihrer ersten Adressen sein. Traumhafter Service, Küche mit Herz. Einfach umwerfend gut. Die sechs Gänge kosten 52,50 Euro. Ich hätte so gerne nochmal die Kürbis-Triangoli in Orangen-Ingwer-Sauce! Aber heute Abend muss/darf :-) ich ja wieder beim “Fernweh” ran…

16. September 2011, Tanja Marschal

3. Test: Dorfstube

Das Menu:

Geräuchertes, gepökeltes Schweinebäckle auf kleinem Berglinsensalat

Steinpilzessenz mit Kalbsschwanzmaultäschle

Rehrücken ‘Baden Baden‘ mit handgeschabten Spätzle und gebratenen Waldpilzen

oder

Im Ganzen gebratenes Felchen ‘Müllerin‘ mit Petersilkartöffele und Blattspinat

Gebrannte Kirschwassercreme mit eigenem Parfait

Tanjas Kritik:

Soll ich Ihnen ganz ehrlich was sagen? Als ich wusste, dass ich in der “Dorfstube” in Oberkassel essen gehen werde, hatte ich nachts einen Alptraum. Ich habe geträumt, dass das ein dunkles Loch ist, in dem Zwerge arbeiten, die Warzen an der Nase haben und wo alles dreckig ist. Als ich dann wach war, hatte ich richtig Angst. Hätte ich aber vorab gewusst, was mich da erwartet: Ich hätte laut gelacht und wäre schon nachts dort aufgelaufen, um so lange wie möglich essen zu können. Die “Dorfstube” ist ein neues, absolutes Highlight in Düsseldorf! Von wegen dunkles Loch. Das ist wie im Märchen da. Das Restaurant ist 100 Prozent Schwarzwald. Mag kitschig klingen, ist es aber nicht. Viel Liebe zum Detail, wahnsinnig gemütlich, dunkles Holz, Kachelöfen und eben echte Schwarzwälder Küche. Man ist einfach in einer ganz anderen Welt.

Das Menu klingt auf den ersten Blick deftig, aber ich kann Ihnen schon mal verraten: Das ist es nicht. Man geht da nicht total vollgestopft raus und hat auch nicht das Gefühl, eine riesen Kugel vor sich herzuschieben. Erster Gang: “Geräuchertes, gepökeltes Schweinebäckle auf kleinem Berglinsensalat”. Absolute Spitze. So feines Fleisch, so knackige Linsen. Eine ganz tolle Kombi. So kann es weitergehen.

Die “Steinpilzessenz mit Kalbsschwanzmaultäschle”. Der Service hatte mich vorher gefragt, ob ich in Sachen Weinbegleitung gerne experimentieren möchte. Möchte ich und so bekomme ich zu diesem aromatischen Süppchen einen Portwein. Und was dann im Mund mit den beiden passiert, ist unbeschreiblich. Der Portwein und die Steinpilzoffenbarung werden eins. Sie spielen miteinander und hinterlassen einen Geschmack, der seinesgleichen sucht. Ich bin platt und schüttel dem sympathischen Typen mit der Nerdbrille aus dem Service fast die Hände. Hatte ich so eine feine, edle Küche erwartet? Nein! Hätte ich aber sollen, denn später erfahre ich, dass die Familie, die das Restaurant betreibt, auch ein Sterne-Restaurant im Schwarzwald hat…

Beim Hauptgang hat man die Wahl: “Im Ganzen gebratenes Felchen ‘Müllerin‘ mit Petersilkartöffele und Blattspinat” oder “Rehrücken ‘Baden Baden‘ mit handgeschabten Spätzle und gebratenen Waldpilzen”. Ich nehme das Tier von der Lichtung. Und auch da gilt: Der absolute Hammer. Das Reh ist butterzart. Perfekt dazu die frischen Birnenstückchen auf dem Teller, die dem Ganzen eine leichte Süße geben. Die Pilze schmecken wie gerade eben frisch gesammelt. Die leckere Sauce wird in einem Extratöpfchen gereicht, so dass jeder so viel nehmen kann wie er will. Die Spätzle sind tatsächlich handgemacht. Leicht buttrige Note - toll. Ja, ich schwärme! Und wie ich schwärme! Ich habe gerade ganz rote Bäckchen vor Aufregung. Der leichte Rotwein dazu - wunderbar.

Fehlt nur noch das Dessert: “Gebrannte Kirschwassercreme mit eigenem Parfait”. Dazu gibt es einen eleganten Gewürztraminer. Es kommt ein Teller voller Knusper. Im Prinzip wie eine Cème brulée, auf der man richtig schön à la Amélie in ihrer schönen Welt rum klopfen kann. Und unter dieser knusprigen Decke: Ganz viele schwarze Punkte. Da hat der Koch aber nicht gespart an Vanilleschoten. Stilvoll mit Schwarzwälder Kirschen dekoriert. Einfach nur traumhaft. Und was noch traumhafter ist, ist der Preis: Vier Gänge kosten lächerliche 42 Euro. Drei Gänge 36.

Die “Dorfstube” ist für mich die Entdeckung dieses Herbstes. Herausragendes Essen, großartiger Service, der eben solche Leidenschaft versprüht. Einfach nur ein total gemütlicher Laden, in dem ich sicherlich den ein oder anderen Winterabend verbringen werde. Ach so: Danke auch an die Oberkasseler Familie zwei Tische weiter, dass sie ihrem Sohn das Räuberhörspiel über den Kopfhörer haben hören lassen - diese angenehme Stille auf einmal….


16. September 2011, Tanja Marschal