Blogging in Peking
Blog zu den Olympischen Spielen
Auch Düsseldorf war in Peking vertreten. Achim Kuczmann und Hansi Gnad von den GIANTS gehörten zum Trainerstab der Basketballer, Birgit und Mike Blum waren als Urlauber bei den Spielen, und auch wir haben gebloggt - über die Ergebnisse der Düsseldorfer Sportler.
Zurück zu Hause
Die letzten Tage in Peking waren sehr intensiv. Ich hatte keine Zeit, noch etwas zu schreiben. Deshalb heute unser Fazit. Natürlich denken wir viel an die vergangenen Tage zurück. An das Hockey-Endspiel zum Beispiel, bei dem wir unsere Jungs pausenlos angefeuert und anschließend ihren Sieg gefeiert haben, und zwar ausgelassen bei deutscher Musik. Die vielen von uns mit deutschen Farben bemalten Chinesen haben mitgefeiert, haben ihr “chia-jooo” gerufen. Das war ein würdiger Abschluss für uns.
Am nächsten Morgen haben wir unsere Tickets fürs Handball-Endspiel verkauft, haben dann in großer Runde eine Abschlussfeier gemacht, später mit den Ungarn noch das Wasserball-Gold
gefeiert, eine internationale Polonaise durch die Hutongs angezettelt. Großartig.
An die liebenswerten Menschen denken wir auch zurück, die immer hilfsbereit waren (wenn sie uns auch nicht immer helfen konnten, zum Beispiel beim Suchen des richtigen Busses zum Triathlon). An alle Chinesen, die ein Foto mit diesen angemalten Langnasen haben wollten, und uns mit Oma und Opa oder mit den Enkelchen gemeinsam fotografiert haben. An alle Details, die, völlig anders als von der deutschen Presse erhofft, sehr gut geklappt haben, wie zum Beispiel die Kontrollen an den Eingängen, das Sicherstellen smogfreier Atemluft oder der Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln - inklusive Taxi.
Natürlich denken wir auch an die Essgewohnheiten. Wer isst hier schon Knochen- oder Schweinshirnsuppe? Alles in allem war es eine wunderbare Zeit. Unsere 2.000 (!) Fotos werden uns Olympia 2008 noch oft in Erinnerung rufen. Ach, ja: Ab sofort sparen wir monatlich. Für London 2012. Natürlich sind wir wieder dabei. Wir sehen uns dort.
27. August 2008, Mike Blum
Das Fazit zum Abschluss
Nach 16 Tagen und über 300 Entscheidungen sind die Olympischen Spiele in Peking gestern zu Ende gegangen. Die Medaillenbilanz der Düsseldorfer Sportler fällt mit zweimal Gold und dreimal Silber beeindruckend aus. Als Goldmedaillengewinner kommen der Fechter Benjamin Kleibrink und der Hockeyspieler Oliver Korn aus China zurück. Korn konnte zwar an Finale und Halbfinale wegen eines grippalen Infektes nicht teilnehmen, erhält aber trotzdem die Goldmedaille. Silber gab es für die drei Tischtennisspieler Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Christian Süß im Mannschaftswettbewerb.
Etwas enttäuschend verliefen die Spiele für die Hockeyspielerin Christina Schütze. Sie war mit der Mannschaft als Medaillenkandidatin angereist. Am Ende reichte es aber nur zum undankbaren vierten Platz. Für den Basketballer Patrick Femerling waren die Spiele recht schnell beendet: Er verpasste mit der Mannschaft das Viertelfinale.
25. August 2008, Dennis Horn
Verkehr in Peking
Gestern sind wir mal wieder Taxi gefahren. Natürlich war es billig, aber diesmal sind wir im Verkehr stecken geblieben. Keine Ahnung, wieso da plötzlich Rush Hour war. Wenn ich mir vorstelle, dass nach Olympia wieder alle Autos fahren und die Lkw wieder alle in die Stadt dürfen, und das nicht nur von Mitternacht bis 6 Uhr, und dass die 300.000 (!) Bauarbeiter wieder in die Stadt zurückkommen und für Chaos sorgen … denn man tau.
Wir sind zum Nachtmarkt gefahren, also zu hundert Metern vollgepackt mit Leckereien wie Entenköpfen, Hühnerkrallen, Tausendfüßlern, Frosch am Spieß oder gegrillte Hammelhoden. Wahrscheinlich gab es auch Hund; wir haben es nicht rausbekommen. Eine sehr spezielle Erfahrung. Zum Glück hatten wir schon gegessen.
23. August 2008, Mike Blum
Triathlon in Peking
Weit draussen bei den Ming-Gräbern, etwa anderthalb Stunden aus der Stadt, liegt ein wunderbarer Ausflugssee im Grünen, umrahmt von Bergen und mit einer kleinen Insel mit Pagode, sehr romantisch. Und genau hier findet der Triathlon statt. Die Mädels legen bei guten Wetterverhältnissen vor, die Favoritinnen aus Australien und Portugal setzen sich durch. Und dann sind die Jungs dran: 30 Grad, sehr hohe Luftfeuchtigkeit und ein giftiger Anstieg pro Runde macht die Sache zur Herausforderung auf höchstem Niveau.
Etwa 35 Jungs steigen vom Rad, gehen auf die 10 Kilometer lange Laufstrecke und legen ein schnelles Tempo vor. Und unsere Jungs halten mit. Auf dem 400 Meter langen Zielspurt kämpft sich Jan Frodeno, genannt Frodo, an allen vorbei und wird völlig ueberraschend Olympiasieger. Triathlon ist unser Sport. Deshalb sind wir völlig aus dem Haeuschen, feiern lange, haben Tränen in den Augen bei der Siegerehrung.
Wir treffen den Präsidenten der deutschen Triathlon-Union. Er nimmt uns in seinem Dienstwagen mit, wir nutzen die Olympia-Fahrbahn aus und rasen in die Stadt. Später, am deutschen Haus, treffen wir Frodo und seine zwei Mitstreiter, reden ausgiebig, machen Fotos, fassen eine Goldmedaille an. Am Abend dann sind wir im Studio der ARD bei Waldi und
Harry, und als Ehrengast … genau: Frodo war auch da, erzählt ein bisschen aus seinem Leben. Was für ein Tag.
So ein Tag war auch nötig, um unsere Stimmung zu heben. Eine Französin aus unserer Jugendherberge wurde nämlich bei dem Versuch, eine Eintrittskarte zu tauschen, verhaftet. Sie wurde 24 Stunden in Haft genommen, bekam nichts zu Essen und zu Trinken, und anschließend des Landes verwiesen. Ohne Anhörung, ohne alles. Das französische Konsulat konnte wohl auch nichts ausrichten, wir waren alle traurig.
Das sind die Fakten, jetzt kommen die Gerüchte: Man sagt, die Polizei hätte Fotos von Ausländern gemacht, die Tickets verkauften. Wiederholungtäter seien dann verhaftet worden, man sagt, über 30 Personen. Dass alles lässt uns ein wenig an der chinesischen Gastfreundschaft zweifeln. Ein Strafgeld hätte ja auch genügt. Einige verdienen mit dem Ticketverkauf Geld, gut. Aber andere wollen tatsächlich nur Tickets tauschen, was ja wohl nicht kriminell sein kann. Wir haben auch noch zwei Karten übrig. Die werden wir jetzt wohl hier im Hause verkaufen. But the games must go on.
20. August 2008, Mike Blum
Der glückliche Zweite - drei Fragen an Christian Süß
Antenne Düsseldorf: Christian Süß, herzlichen Glückwunsch zur Silbermedaille. Oder trauern Sie dem verlorenen Finale gegen China doch noch nach?
Christian Süß: Nein, auf keinen Fall. Wir haben uns zwar nicht in unser Schicksal ergeben, sondern unsere Chance gesucht. Aber die Favoriten haben sich auch im Finale keine Blöße gegeben. Wir hatten gehofft, dass sie im Endspiel vor eigenem Publikum nervös werden. Aber sie haben dem Druck standgehalten. Darum haben wir ihnen auch ernsthaft und herzlich zum Sieg gratuliert. Was die Chinesen für eine Leistung abliefern, ist wirklich meisterhaft. Sie sind der verdiente Olympiasieger, genauso, wie wir uns Silber erarbeitet und verdient haben.
Antenne Düsseldorf: Sie hatten beim Finale 8.000 frenetische chinesische Fans gegen sich. Was ist für ein Gefühl?
Christian Süß: Zunächst einmal ist so ein Finale etwas ganz Besonderes. Die Spielervorstellung, der Einlauf, das ist Gänsehaut-Atmosphäre pur. Beim Spiel spornt es mich eher an, den Fans und dem Gegner zu zeigen, dass ich mich nicht einschüchtern lasse. Das war außergewöhnlich und vermutlich auch einmalig. Bei meinen ersten Olympischen Spielen so etwas erleben zu dürfen, ist großartig.
Antenne Düsseldorf: Wie geht es für Sie jetzt weiter?
Christian Süß: Wir werden ganz leicht trainieren, vielleicht ein bisschen laufen und vor allem den Kopf frei bekommen. Am Mittwoch beginnt für mich dann schon der Einzelwettbewerb. In meiner ersten Runde treffe ich vermutlich auf den Franzosen Patrick Chila. Den möchte ich gern schlagen und dann am Donnerstag gegen Jörgen Persson spielen. Mal sehen, ob mich die Silbermedaille noch ein wenig beflügeln kann.
19. August 2008, Marcel Piwolinski
Sonne in Peking!
Ein Wunder: Die Sonne scheint über Peking. Das müssen wir ausnutzen. Wir fahren in den Zoo; hier gibt es die großen Pandas zu sehen. Natürlich kommen auch andere auf die Idee - es ist schon seeeehr voll. Aber mit Geduld und einem typisch chinesischen Schubser kommt man auch in die erste Reihe. Etliche Tiere werden hier aufgepäppelt, die man nach dem Erdbeben aus den Wäldern von Sichuan gerettet hat. Der restliche Zoo ist nicht so voll, das schöne Gelände lädt zum Bummeln ein, und wir verlaufen uns nur zwei dreimal.
Zurück auf der Strasse fallen heute die vielen Chinesinnen auf , die einen Sonnenschirm tragen, am liebsten einen mit Rüschen und Spitze und Blumenmotiven, so eine Art Taschentuch am Stock. Besonders interessant sind die fahrrad- oder mopedfahrenden Mädels mit dem Sonnenschirm am Lenker fixiert, in der einen Hand ein Handy, mit der anderen ein wenig lenken durch den chaotischen Verkehr …
Abends Bahnradfahren: okay, deutsches Bronze, aber alles in allem wenig Stimmung, abgehakt.
Nächster Morgen, immer noch Sonne: auf zum Sommerpalast. Nach dreimal fragen und zweimal Umsteigen sind wir nach anderthalb Stunden schon da, kennen etwa 120 Bushaltestellen, haben aber auch ganze 30 Cent gezahlt. Der Sommerpalast des Kaisers liegt auf einem Hügel, von dem aus man einen Blick auf die nördliche Stadt und auf einen grossen See hat, auf dem heute eine Tretbootausstellung ist. Jedenfalls sieht es so aus. Die Palastanlage ist eine Anreise wert, auch wenn wie überall in Peking alles restauriert wurde. Auf unserem Spaziergang am Ufer des Sees werden wir nur noch selten fotografiert. Anscheinend hat jeder Pekinger inzwischen genug Langnasenfotos. Nur wenn wir irgendwas mit Stäbchen essen, schauen sie und lachen. Wir wissen nicht, warum. Schließlich machen wir alles wie die Chinesen am Nebentisch - außer zu spucken.
Abends auf Einladung ins deutsche Haus, endlich mal deutsches Fernsehen, und vor allem deutsches (Weiß-)Bier. Und so viel … Und natürlich sind in der Jugendherberge alle noch wach, als wir um Mitternacht ankommen. Nächster Morgen: Was heißt wohl Aspirin auf Chinesisch?
18. August 2008, Mike Blum
Drei Fragen an Timo Boll
Antenne Düsseldorf: Als Sie den Matchball gegen Japan verwandelt haben und der Einzug ins Finale perfekt war, haben sie die ein oder andere Träne verdrückt. War das der Druck, der plötzlich von ihnen abfiel?
Timo Boll: Es war ein unglaubliches Match, das wie kaum ein Spiel zuvor an den Nerven gezerrt hat. Wir drei haben alle am Limit agiert. Das war wohl das wichtigste Spiel meiner Karriere. Vor dem letzten Satz habe ich mich gefragt: Bin ich ein Gewinner oder bin ich ein Verlierer? Die Antwort habe ich am Tisch gegeben. Ich wünsche keinem Menschen dieser Welt, dass er mal so einen Druck verspürt.
Antenne Düsseldorf: China scheint der übermächtige Gegner zu sein, Niederlagen der Asiaten gegen Europäer sind eine Rarität. Gibt es trotzdem eine Strategie, die Überraschung doch zu schaffen?
Timo Boll: Ganz wichtig wird der Auftakt sein. Gehen wir in Führung, sehe ich durchaus die Chance für ein gutes Resultat. Nur so können wir die Chinesen unter Druck setzen. Wenn sie selbst vorn liegen, sind sie meist kaum noch aufzuhalten, dann rollen sie einfach los.
Antenne Düsseldorf: Die drei Chinesen belegen in der Weltrangliste die Plätze 1, 2 und 4. Sie haben die Spieler in Peking schon beobachtet. Welchen Eindruck haben Sie von deren Form?
Timo Boll: Bei Ma Lin sehe ich einen normalen Leistungsstand, und bei Wang Liqin ist es ähnlich wie bei mir: Wir hatten beide unsere Probleme, ins Turnier richtig hineinzukommen, konnten uns aber jetzt von Spiel zu Spiel steigern.
18. August 2008, Marcel Piwolinski
Aus für die Basketballer, Medaille im Tischtennis
Die deutschen Basketballer um Patrick Femerling sind ja leider raus. Die Hockey-Herren um Oliver Korn haben den Einzug ins Halbfinale wieder selbst in der Hand, während die Hockey-Damen um Christina Schütze den schon perfekt gemacht haben. Die größte Spannung aber heute im Tischtennis: Silber oder Gold? Im Finale trifft die deutsche Mannschaft, die ausschließlich aus Düsseldorfer Spielern besteht, auf China. Die Chinesen haben wie erwartet souverän das Endspiel erreicht und sind auch klarer Favorit.
18. August 2008, Dennis Horn
Bangen ums Halbfinale
Die deutschen Hockey-Herren um den Düsseldorfer Oliver Korn müssen noch ums Halbfinale bangen. Heute gab es gegen Südkorea nur ein 3:3 - das nur als kurzes Update.
15. August 2008, Dennis Horn
Ruhetag und Kunstturnen
Heute ist Ruhetag - für mich. Meine Frau geht zum Kunstturnen, heute ist das Finale im Herren-Mehrkampf. Ich quatsche ein bisschen mit unseren Mitbewohnern. Inzwischen haben wir außer den großen europäischen Nationen auch Australier, Mexikaner, Koreaner, Japaner … very international.
Ich will in den Olympiapark, in den man ohne Ticket nicht kommt. Also mit dem Taxi (very billig) zum Eingang. Wegen Stau soll er mich vorher rauslassen, aber das macht ein echter chinesischer Taxifahrer nicht. Einmal gesagt “zum Eingang” heißt auch: zum Eingang. Und dann, ziemlich kurios, kaufe ich mir auf dem Schwarzmarkt eine bereits abgelaufene Eintrittskarte von heute für 10 Euro und kann auf das zwölf mal zwei Kilometer große Gelände. Aus dem geplanten Spazierengehen wird aber nichts, es regnet quasi den ganzen Tag bei 22 Grad. Immer wieder stelle ich mich unter. Von den Helfern kriegen wir später Regenponchos, so dass wir einigermaßen trocken und warm bleiben. Aber erst im Dunkeln entfaltet der Olympiapark seine ganze Pracht: wenn die Lichter angehen an den Stadien und Türmen, auf dem Boden, an den umliegenden Hochhäusern … wunderbar.
Abends im Hutong, also in der kleinen Gasse, in unserer Jugendherberge, bestellen wir Abendessen. Einer der wirklich hilfsbereiten jungen Angestellten läuft rüber in ein kleines Restaurant, und nach zehn Minuten bringt uns der Koch persönlich ein leckeres Essen (für Europäer) für immerhin 80 Cent! Und dazu ein lecker Bierchen. Nee, wat is dat Leben schön.
14. August 2008, Mike Blum
